Die Auswirkungen des klimabedingten Gletscherschwunds
Man braucht wahrlich kein Glaziologe oder Klimaforscher zu sein, um vorauszusagen, dass die Gletscher weltweit weiter schwinden werden. Selbst wenn wir die Erwärmung sofort zurückdrehen könnten, würde es bei der Trägheit der Gletscher viele Jahrzehnte oder auch ein, zwei Jahrhunderte dauern, bis eine Trendumkehr, wenn überhaupt, zu erkennen wäre. Wir alle werden das jedenfalls nicht mehr miterleben.
Aber was ist die Konsequenz aus diesem heute bereits unumkehrbaren und unaufhaltsamen Verschwinden der Gletscher?
In meinem Buch über den Klimawandel (Link hier) bin ich ausführlich auf diesen Punkt eingegangen. Nachfolgend habe ich einige meiner Thesen, die dem Klima-Mainstream der Meiden teilweise widersprechen , wiedergegeben:
Der Wasserhaushalt der Gebirgsflüsse gerät aus den Fugen!?
Immer wieder wird behauptet, dass sich mit dem Verschwinden der Gletscher der Wasserhaushalt der darunterliegenden Regionen verändern würde. Sogar das Wasser von Rhein, Donau und Rhône könne knapp werden, wenn die Alpengletscher abgeschmolzen sind. Mit Verlaub, solche Aussagen sind Unsinn! Gletscher spielen bei der Wasserversorgung der Flüsse so gut wie keine Rolle.
Da ich mit dieser Relativierung unzähligen Medienberichten widerspreche, will ich sie ausführlich begründen. Denken wir uns dazu ein Hochgebirgstal, in dem kein Gletscher vorhanden ist oder war, und auch kein See. Aus dem läuft im Laufe des Jahres alles Wasser, das als Niederschlag vom Himmel kommt und nicht verdunstet, durch die Gebirgsbäche oder auch durch Karstspalten und -höhlen in die Täler dann in die größeren Flüsse ab. Wenn in demselben Tal aber ein stabiler Gletscher liegt, dann passiert genau dasselbe: Auch von einem stabilen Gletscher fließt im Laufe eines Jahres alles an Niederschlag wieder ab und landet in den Flüssen. Wäre es anders, würde der Gletscher entweder wachsen oder schrumpfen. Die im Tal ankommende Wassermenge ist dieselbe. Wenn sich jemand von einem Gletscher mehr Wasser verspricht, als die Niederschläge hergeben, dann heißt das nur, dass dieser Gletscher gerade abschmilzt!
Auf die mittleren jährlichen Wassermengen der Gebirgsflüsse haben stabile Gletscher daher keinen Einfluss. Möglicherweise ist allerdings die jährliche Verteilung des Abflusses aus einem Gebirgstal mit Gletscher etwas anders als ohne Gletscher: Schnee, der auf einen Gletscher fällt, taut langsamer ab als Schnee, der auf Erdboden oder Vegetation fällt. Um eine durch den Klimawandel veränderte Verteilung und auch zeitliche Schwankungen der Mengen an Niederschlagswasser übers Jahr auszugleichen, würde aber schon ein kleines Speicherbecken im ehemaligen Gletschertal ausreichen. So etwas ist ökologisch verträglich, und damit ginge das Wassermanagement besser, als es ein Gletscher je zuwege brächte.
Wo das Verschwinden eines Gletschers ernsthafte Störungen im Wasserhaushalt verursachen könnte, sollte man also Niederschlag-Rückhaltebecken bauen, und zwar bald. Ansonsten bleeibt aber wenig zu tun.
Gletscher-Skilauf wird es nicht mehr geben!
Ja, und? Welcher Naturschützer beklagt sich nicht über die massiven Umweltschäden, die der Skizirkus in den Gebirgen dieser Welt nach sich zieht? Wenn der nicht mehr möglich wäre, dann wäre das für die Natur jedenfalls ein Zugewinn. Skifahrer, Snowboarder und Liftbetreiber werden das verständlicherweise anders sehen. Sie werden aber damit leben müssen, dass sich das Skivergnügen vielerorts im Gebirge, vor allem aber auch in den Mittelgebirgen, unabwendbar dem Ende zuneigt.
Die Erosion wird sich verstärken!?
Nicht nur in Sibirien, auch im Hochgebirge gibt es Permafrostboden. Das betrifft nicht nur die von der Sonne abgewandten Seiten der vergletscherten Täler, sondern auch frei liegende Felsregionen in großer Höhe. Manche dieser Permafrostböden werden buchstäblich nur vom Eis zusammengehalten. Taut das Eis, zerbröselt das Ganze. Bergrutsche oder Felsstürze sind zwangsläufig. Das sieht dramatisch aus, aber bleiben wir realistisch: Das ist Erosion. Diese bröseligen, von Eis durchsetzen Bereiche sind ja bereits durch Frostsprengung erodierte und nur noch dank des Eises notdürftig zusammengeklebte, ehemalige Felsen. Die zerfallen jetzt endgültig. Außerdem passiert das, wenn es passiert, in bisher unbewohntem Gebiet oberhalb jeglicher vernünftigen Siedlungsgrenzen. Das sollte beherrschbar sein. Bergwanderer sollten dennoch gut aufpassen; das sollten sie aber immer.
Daneben ist die Frostsprengung von Gestein überall im Gebirge wirksam. In tiefen und zunehmend wärmeren Lagen wird die Frosterosion sogar nachlassen, weil es dort kaum noch Frost gibt. Auch die Erosionszonen verschieben sich im Zuge des Klimawandels etwas nach oben.
Die bei weitem stärkste Erosion im Hochgebirge wird bisher durch die Gletscher selbst verursacht. Die würde dann im Gegenzug entfallen. Möglicherweise geht die Erosion in den Gebirgen dank der Erderwärmung daher sogar insgesamt zurück. Bis die Gebirge der Welt dann eingeebnet sind, dauert es wohl noch ein Weilchen; vorausgesetzt, dass die Mountainbiker ihren beachtlichen Beitrag zur Erosion vielleicht etwas reduzieren könnten.
Fazit zum Gletscherschwund
Gletscher empfindet wohl jeder Betrachter als wunderschön. Diese Schönheiten werden weitgehend verschwinden. Das ist aber weniger eine ökologische Katastrophe als vielmehr eine emotionale Belastung. Nüchtern betrachtet sind Gletscher für das Leben und Überleben der Menschheit irrelevant.
Wo Gletscher verschwinden, hinterlassen sie erst einmal trostlos wirkende Schlamm-, Schutt- und Geröllwüsten. Oder sie geben völlig kahle Felswände preis. Aber das ist nur ein vorübergehender Zustand. Im Laufe der Zeit wird wieder Vegetation auf die jetzt wüstenhaften Flächen zurückkehren. Es wird neuer Lebensraum entstehen. Die Vegetationszonen im Gebirge werden sich mit der Erwärmung im Laufe der Zeit in größere Höhen verlagern. In mittleren und höheren Breiten werden die Vegetationszonen dadurch sogar eher ausgedehnt. Letztlich würde die Natur damit das reparieren, was sie seit Einsetzen der Eiszeit verdorben hat. Wenn wir Menschen dann nicht gleich wieder anfangen, den neugewonnenen Lebensraum zu besiedeln oder als touristische Attraktion zu bespaßen, werden ihn Flora und Fauna dankend annehmen.
Diese Chance sollten wir ihnen lassen.